Seit Beginn diesen Schuljahres haben wir einen eigenen Schulpsychologen.

Herr Parlau hat sich die ersten Wochen natürlich direkt in die Arbeit gestürzt. Aber nun war es Zeit für ein Gespräch unter vier Augen.


Hallo Herr Parlau, herzlich Willkommen an der Reinhold-Burger-Schule. Schön, dass Sie da sind! Ist das mittlerweile Standard, dass Sekundarschulen Psychologen bekommen, oder haben wir einfach großes Glück?

Es wird Standard werden in der fernen Zukunft. Aber zurzeit hat Pankow insgesamt gerade mal 6 Schulpsychologen, und andere Bezirke sind ähnlich aufgestellt.

Und Sie sind fest bei uns oder wechseln Sie zwischen den Schulen?

Nein, ich bin ausschließlich für die Schüler:innen der Reinhold-Burger-Schule zuständig.

Sie sind jeden Tag hier?

Jeden Tag von Montag bis Freitag.

Und wie sieht Ihr typischer Tag bei uns aus?

Ich habe vor allem fest vereinbarte Termine mit Schüler:innen. Aber natürlich kommen auch immer mal wieder spontane Notfälle rein. Und ich habe Gespräche mit Eltern und mit Lehrer:innen. Mit den Sonder- und Sozialpädagog:innen. Und der Schulleitung. Wir arbeiten alle zusammen, und insgesamt sehen meine Tage dadurch immer recht unterschiedlich aus.


Können unsere Schüler:innen einfach so zu Ihnen kommen, wenn sie Redebedarf haben, oder wie funktioniert das?

Selbstverständlich. Sie können einfach vorbeikommen bzw. Bescheid geben, dass sie einen Termin haben möchten. Manchmal kann es auch sein, dass Lehrer:innen einen Vorschlag machen und wir darüber miteinander in den Kontakt kommen.

Wie nehmen denn die Schüler:innen das Angebot auf?

Ich glaube insgesamt sehr gut. Schwierig kann es werden, wenn die Eltern Vorbehalte haben bzw. der Meinung sind, ihr Kind bräuchte diese Art der Unterstützung nicht.

Ist diese Arbeit denn sehr belastend?

Für mich ist es eher entspannend, unter Druck zu arbeiten. Ich habe 20 Jahre für die Justiz gearbeitet. Ich bin also daran gewöhnt, sehr viel Stress zu haben.

Mögen Sie uns etwas über diese Jahre oder Ihr Leben vor der Reinhold-Burger-Schule berichten?

Ich habe einen Teil meiner Schulzeit, mein Studium und meine ersten Berufsjahrzehnte in den USA verbracht. Mein Vater ist aus den Vereinigten Staaten und meine Mutter ist aus Berlin. Ich war dort hauptsächlich in Texas, da habe ich auch studiert. Aber ich wollte immer über kurz oder lang wieder zurück nach Berlin, denn ich hatte hieran sehr gute Erinnerungen aus meiner Kindheit


Und wie ist es zurück? So, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Besser!

Trotz des momentanen Berliner Wetters?

Ich habe mal in Michigan an der kanadischen Grenze gewohnt, da waren es teilweise bis zu Minus 50 Grad Celsius. Die Kälte macht mir also nichts aus.

Seit wann sind Sie denn wieder hier?

Ich bin im Herbst 2020 zurück nach Deutschland und war für eineinhalb Jahre am Kinderhaus Mitte hier in Berlin am Alexanderplatz. Und seit Herbst 2022 bin ich jetzt an der Reinhold-Burger-Schule.

Was hat Sie zur Psychologie gebracht?

Der allererste Einfluss war sicherlich, dass ich selber als Schüler einen Schulpsychologen hatte, der mir damals sehr geholfen hat. Ich hatte einen sehr guten Notendurchschnitt, aber im Verhalten einige Probleme. Ich war mitten in der Pubertät und wusste nicht, wo mein Platz im Leben war. Der Schulpsychologe hat mich zurück auf den richtigen Pfad gebracht, und das war einfach super.

Ich habe dann erst ein Studium zum chemischen Ingenieur begonnen und auch in einem Labor gearbeitet. Ein guter Job, aber mir dann doch zu langweilig. Ich wollte einfach mehr mit Menschen zu tun haben. Und dann habe ich mich an diesen Psychologen erinnert und mich entschieden, mein Studienfach zu wechseln. So bin ich zur Psychologie gekommen.

Was ist Ihnen denn an unserer Schule als erstes aufgefallen?

Bei meinem ersten Vorstellungsgespräch bin ich reingekommen in den Eingang, und die Energie des Gebäudes war schon super. So positiv, dass ich mir, noch bevor ich jemanden getroffen hatte, bereits vorstellen konnte, dass ich hier arbeiten möchte. Und nach meinen ersten Gesprächen hier wollte ich dann wirklich gerne Teil des Teams werden. Mein positives Gefühl hielt einfach an.

Und jetzt, wo Sie hier im Alltag angekommen sind, was wäre aus Ihrer Sicht noch verbesserungswürdig?

Meine Stelle ist ja nagelneu. Es gibt also noch keine Vorlage und auch noch keine Erfahrung, wie sie am besten gestaltet wird. Darauf konzentriere ich mich gerade. Das alles hier erstmal aufzubauen, mit allen Beteiligten intensiv zu kommunizieren und gemeinsam herauszufinden, was von mir gebraucht wird.

Und was bräuchten Sie? Irgendwelche Wünsche?

Zwei neue Sofas. Aber die sind schon bestellt und kommen in den nächsten Wochen.

Welche Farbe?

Blau. Denn das ist eine heilende Farbe.

Herr Parlau, vielen Dank für das Gespräch!