Ein Gramm Erfahrung ist besser als eine Tonne Theorie.

John Dewey

Der Namensgeber unserer Schule, Reinhold Burger, war sowohl Glastechniker als auch Erfinder und entwickelte u.a. evakuierte Hohlwandgefäße, z.B. die sogenannte Thermoskanne. Schon als junger Mensch arbeitete und lernte er in verschiedenen Betrieben Berlins und an unterschiedlichen Orten in den USA. An der Biographie Reinhold Burgers wird deutlich: Neugier, Kreativität, fachliche Kompetenz, handwerkliches Geschick, prüfende Betrachtung, Teamgeist und Ausdauer waren wesentliche Bausteine seines Erfolgs.

Reinhold Burgers Innovationsgeist, seine Offenheit für verschiedene Lernorte und sein Instinkt für die Veränderungsbewegungen seiner Zeit leiten auch uns in dem Wunsch, unseren Schüler*innen immer wieder neue Felder des Erfahrens und Experimentierens zu bieten. Und dafür sowohl vielfältige Perspektivwechsel zu ermöglichen als auch Herausforderungen zu gestalten, deren Bewältigung essentiell ist für eine gelingende Adoleszenz.

Mit unseren erfahrungsorientierten Lernformen Projekt Herausforderung, Projekt TeamWerk, den Schülerfirmen, dem Integrierten Produktiven Lernen als auch unserer Lernwerkstatt schaffen wir besondere Umfelder, um Persönlichkeitsentwicklung, Handlungskompetenzen und soziale Reife kreativ zu fördern.

Projekt Herausforderung

Die Gemeinschaft der Erwachsenen ist darauf angewiesen, dass ihre Mitglieder sowohl Ich-Stärke und Anstrengungsbereitschaft als auch Gemeinschaftsbewusstsein und Verantwortungsgefühl entwickeln. Dafür wird in vielen alten Kulturen die Phase der Adoleszenz durch einen Initiationsritus, das Bewältigen einer besonderen Herausforderung, eingeleitet.

Eine Herausforderung:

  • führt heraus aus bekannten Strukturen in eine Situation, die neu, unbekannt, womöglich auch riskant ist
  • setzt voraus, dass man bereit ist, sich anzustrengen
  • stellt keinen Moment, sondern einen Prozess dar
  • kann stolz machen 
  • braucht Mut und Kreativität
  • bringt Erkenntnisse über die eigene Person.

An der Reinhold-Burger-Schule können sich die Schüler*innen zwei unterschiedlichen Herausforderungs-Formen stellen: der persönlichen sowie der gemeinschaftlichen.

Die persönliche Herausforderung findet im 9. Jahrgang über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen parallel zum Unterricht statt. Eingebettet und bewertet wird sie im Rahmen des Ethikunterrichts. Die Wahl der Herausforderung ergibt sich aus der Reflexion des Alltags und dem Erkennen von persönlichen Hürden. Schüler*innen entschieden sich dadurch bisher z.B. zur Reduzierung des Medienkonsums, Umstellung der Ernährung, zu einem Rollentausch oder auch zu sportlichen Aktivitäten. Dabei geht es nicht ausschließlich um die Meisterung der Herausforderung, sondern auch darum, ein mögliches Scheitern anzuerkennen, die gesamte Erfahrung zu reflektieren sowie natürlich die persönliche Herausforderung abschließend zu präsentieren und von der Gruppe dafür gewürdigt zu werden.

Die gemeinschaftliche Herausforderung setzt den Fokus sowohl auf die Erfahrung der eigenen Grenzen als auch des Miteinanders innerhalb eines Teams. Mindestens eine Woche lang begibt sich dafür eine jahrgangs- und geschlechtergemischte Gruppe von Schüler*innen auf eine ungewöhnlich herausfordernde Fahrt. Das kann z. B. eine Wanderung in der Sächsischen Schweiz oder eine Fahrrad- und Kanutour in der Mecklenburgischen Seenplatte sein. Die Schüler*innen planen selbständig Routen, Unterkunft, Verpflegung, Finanzierung, Packliste sowie An- und Abreise. Auf der Fahrt werden sie unaufdringlich begleitet von einer Lehrkraft, Praktikant*in oder Ehrenamtlichen. Sie verlassen ihre gewohnte Umgebung, begeben sich in neue, unbekannte Situationen und lernen, ihre psychischen und körperlichen Grenzen auszutesten und zu überwinden. Sie meistern schwierige Situationen und lernen dabei, sich gegenseitig zu unterstützen, Hilfe zu leisten und die Hilfe anderer anzunehmen. Es entstehen Freundschaften quer durch die Jahrgänge hindurch und Selbstbewusstsein und -erkenntnis weit über die Fahrt hinaus.

Das TeamWerk

Das Teamwerk ist ein zentrales Projekt im 10. Jahrgang und – wie der Name vermuten lässt – eine Gruppenarbeit, die Teamfähigkeit und ergebnisorientiertes Arbeiten fordert. Die Schüler*innen müssen dafür in Zweier- oder Dreier-Gruppen ein gemeinsames Anliegen und Vorhaben erkennen, formulieren, planen, durchführen, vollenden und auch bewerten. Dies kann ein Werkstück, ein Tagebuch, eine Ausstellung, eine Aufführung, ein Film, eine Fach- oder Projektarbeit, eine Leistungsmappe (Portfolio), eine Forschungsarbeit, ein Wettbewerbsbeitrag oder ein anderes vergleichbares Produkt sein. Jedes Team-Mitglied arbeitet gleichberechtigt mit und ist mit verantwortlich für die abschließende Präsentationsprüfung und Bewertung. Die Bewertung des TeamWerks reflektiert dabei sowohl den Prozess der Entstehung als auch das Produkt und fordert dazu auf, immer wieder die eigene Perspektive zu wechseln, d.h. Feedback einzuholen, Selbst- und Fremdwahrnehmung zu überprüfen und andere Sichtweisen zu integrieren. Die gemeinsame Präsentation der TeamWerke in der Schulaula bildet einen der Höhepunkte des abschließenden Schuljahrs.

Schülerfirmen

Schülerfirmen sind langfristige fächer- und jahrgangsübergreifende Schulprojekte, die sich in Organisation und Struktur an wirtschaftlich arbeitenden Unternehmen orientieren. Sie bieten die Möglichkeit, wirtschaftliches Handeln zu erlernen und in einer realen Umsetzung zu erproben. Die Schüler*innen entwickeln die Geschäftsidee, prüfen und gewährleisten deren Wirtschaftlichkeit und gestalten und verwalten die Geschäftsprozesse. Dabei arbeiten sie mit außerschulischen Kooperationspartnern zusammen und präsentieren die Schule über ihre Produkte auch nach außen.

An der Reinhold-Burger-Schule gab es bereits verschiedene Umsetzungskonzepte für Schülerfirmen. Die erfolgreichste und langfristigste ist unsere Firma Die Pausenfüller.

Das Geschäftsfeld von Die Pausenfüller umfasst drei sich um das Thema Ernährung drehende Bereiche:

  • Sie gewährleistet eine gesunde und zuverlässige Pausenversorgung
  • Sie kooperiert mit unserem Caterer Nobis GmbH im Servicebereich der Mittagessen-Ausgabe
  • Sie betreibt selber ein erfolgreiches Catering für Aufträge innerhalb und außerhalb der Schule mit Buffets für teilweise bis zu 1000 Personen. Dabei arbeitet sie u.a. mit dem Jugendkulturzentrum M24, den Kulturagenten, der Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, dem Rathaus Pankow, Roten Rathaus, Bezirksamt und Jugendamt zusammen.

Die beteiligten Schüler*innen erleben hier in einem hohen Maße Selbstwirksamkeit, Eigeninitiative und den Umgang mit Zeit- und Erfolgsdruck. Sie erkennen und verstehen unternehmerisches Denken, sie trainieren Basiskompetenzen wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Kooperation, Kommunikation, Verantwortung und Konfliktbewältigung und können praxisnah bereits in eine Auseinandersetzung mit ihren individuellen Potentialen und Berufswünschen gehen.

Neben dem Alltagsgeschäft gestalteten Die Pausenfüller in Kooperation mit dem Kulturagenten-Programm eine Vielzahl an außergewöhnlichen Aktionen: So entwickelten sie in einem gemeinsamen Prozess ihr Logo, produzierten bemalte Tischdecken, erforschten künstlerisch-experimentelle Nutzungsmöglichkeiten der Mensa, gestalteten eine öffentliche Tafel als Flash-Mob-Installation und veranstalteten ein Schüler*innen-Kochduell.

Weitere Ideen für Schülerfirmen sind in Planung, wie z.B. eine Fahrrad- und Computerwerkstatt.

Integriertes Produktives Lernen

Die Reinhold-Burger-Schule bietet seit 2014 eine neue, integrierte Form des Produktiven Lernens an. Integriert heißt, dass die Schüler*innen an zwei bis drei Tagen der Woche an einem selbst gewählten außerschulischen Lernort erste Praxiserfahrungen machen können und an den übrigen zwei Wochentagen innerhalb ihres Klassenverbands am Unterricht der Kernfächer teilnehmen. Dieses Projektlernangebot steht wahlweise den Schüler*innen der 9. und 10. Jahrgänge offen und ermöglicht im Anschluss weiterhin alle Schulabschlüsse der Integrierten Sekundarschule. Lernorte können Wirtschaftsunternehmen, kleinere Betriebe, soziale Institutionen, Behörden, Vereine oder kulturelle Einrichtungen sein. Die Schüler*innen werden von Praktikern vor Ort betreut und in ihren Erfahrungen begleitet. Nicht selten entsteht ein Kontakt, der nach der Schule zu einem Ausbildungsvertrag führt. Die Unterrichtstage an der Schule bieten zusätzlichen Raum für Reflexionen und Aufbereitungen des Erfahrenen.

Lernwerkstatt

Unsere Lernwerkstatt bietet durch alle Jahrgänge hindurch einen stetigen Ort für erfahrungsorientierte und interessenbezogene Lernprozesse. Sie kann genutzt werden von Schülerinnen, die sich eine besondere Form der Lernbegleitung wünschen (z.B. zur Begabungsförderung und sonderpädagogischen Förderung) oder handlungsorientiertes, selbständiges Arbeiten bevorzugen. Die Lernmaterialien der Werkstatt sind vielfältig, anregend, die Sinne ansprechend und bieten zusammen mit der individuellen Unterstützung unserer pädagogischen Lernbegleiterinnen differenzierende Formen des freien Entdeckens und Gestaltens.

Schon der Werkstatt-Raum selbst lädt zum Entdecken und Auswählen, zum Forschen und Ausprobieren ein. Die im gleichen Haus untergebrachten Werkräume für Holz, Näh-, Computer-, Töpfer- oder Kocharbeiten können kurzerhand einbezogen werden und ermöglichen eine umfassende und vielfältige Gestaltungsfläche für das Entfalten persönlicher Fähigkeiten. Es sind Einzel-, Partner- und Gruppenarbeiten möglich, und zahlreiche außerschulische Kooperationspartner geben Hilfestellungen für die Sach- und Methodenkompetenzen und fördern zusätzlich ein intensives soziales Lernen