CIVIL-COURAGE ist nicht angeboren.
Wir tragen sie als die uns geschenkte Möglichkeit vom Zeitpunkt der Zeugung in uns.
Wir können daher tat-sächlich aus unserer Möglichkeit eine Wirklichkeit werden lassen.

Otto Herz

Auch die Gesellschaftswissenschaften werden bei uns erfahrungsorientiert und fächerübergreifend gelehrt. Unsere Schüler*innen setzen sich von der Phase des Ankommens im 7. Jahrgang bis zu den Prüfungen im 10. Jahrgang innerhalb unterschiedlichster Projekte kritisch mit ihrer Umwelt auseinander. Dabei erfahren sie ihren persönlichen Wert in der Gesellschaft und erleben ihre Möglichkeiten der Einflussnahme auf individuelle und gesellschaftliche Entwicklungen.

Das Projekt Verantwortung

In der 7. Klasse geht es los mit dem Projekt Verantwortung: einer individuellen und außerschulischen Lern-Reise in die Möglichkeiten des gemeinschaftlichen Handelns. Hierzu leisten unsere Schüler*innen an einer von ihnen selbst gewählten sozialen oder kulturellen Einrichtung eine unterstützende Tätigkeit, in der sie sowohl ihre persönlichen Kompetenzen einbringen können als auch aktiv an der Gestaltung von Gemeinwesen mitwirken.

Das Projekt startet mit der Suche nach einem individuell passenden Einsatzort. Im Fach Ethik erkunden die Schüler*innen dafür ihre persönlichen Stärken und Werte und werden ermutigt, das zu wählen, was ihnen Freude macht und was ihren Interessen und Stärken entspricht. Die Schule arbeitet hier eng mit den jeweiligen Einrichtungen zusammen, und die Schüler*innen werden auf beiden Seiten von Mentor*innen begleitet und unterstützt.

Ab der zweiten Hälfte des 7. Jahrgangs geht es jede Woche für drei Stunden an den gewählten Einsatzort. Die Schüler*innen gestalten dabei ihr persönliches Projekt Verantwortung, indem sie selber entscheiden, wie sie sich unterstützend einbringen möchten: ob sie sich innerhalb eines bereits bestehenden Projekts der Organisation engagieren oder ob sie sogar ein eigenes soziales Angebot ins Leben rufen möchten.

Bisherige Aktivitäten umfassten z.B.

  • Hausaufgabenhilfe an Grundschulen
  • Helfen bei der Berliner Tafel
  • Unterstützen der Kinderbetreuung an Kitas
  • gemeinsames Leiten von Kindersportgruppen
  • Ausbilden von Ersthelfern an Grundschulen
  • Austausch mit Senior*innen
  • Erforschen unterschiedlichster Einrichtungen und das Erstellen einer Ausstellung

Die Schüler*innen lernen dabei, sowohl individuell als auch kommunal Verantwortung zu übernehmen und ihr Handeln gemeinsam und prozessbegleitend mit ihren Mentor*innen und Mitschüler*innen zu reflektieren.

Selbstverständlich gehört es zum Projekt Verantwortung auch dazu, die eigenen Erfahrungen zu dokumentieren und innerhalb einer Projektpräsentation anschaulich aufzubereiten. Dieser bis in den 8. Jahrgang hineinreichende Prozess ermöglicht den Schüler*innen, intensiv die eigene Persönlichkeit zu entdecken und zu entwickeln, Lernen und Erfahrung grundlegend individuell zu gestalten und Schule und das eigene soziale Umfeld verantwortlich miteinander zu verknüpfen.

Fragen wir daher:

Wie sehen denn die Lern-Inhalte, die Lern-Weisen, die Lern-Orte, die Lern-Anlässe, die Lern-Herausforderungen, die Lern-Partner, die Lern-Berichte, die Lern-Überprüfungen, die Lern- Anerkennungen, das Lob für couragiertes Lernen im Geiste von Civilität und also in der Zuwendung
zum Verschwiegenen, zum Verdrängten und zum Vergessenen und zu den Verschwiegenen, zu den Verdrängten und zu den Vergessenen aus?

Otto Herz

Seit dem 4. Juli 2014 ist die Reinhold-Burger-Schule Teil des Netzwerks Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Hierfür haben sich die Schulmitglieder zu folgender Selbstverpflichtung bekannt:

  1. Ich setze mich dafür ein, dass meine Schule nachhaltige Projekte, Aktionen und Veranstaltungen durchführt, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
  2. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, dann wende ich mich dagegen, spreche dies an und unterstütze eine offene Auseinandersetzung, damit wir gemeinsam Wege finden, einander respektvoll zu begegnen.
  3. Ich bin aktiv, damit meine Schule jedes Jahr Projekte gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, durchführt.

Als Paten für unser Engagement konnten wir den Erziehungswissenschaftler Otto Herz gewinnen, der sich seit vielen Jahrzehnten maßgeblich für ein verantwortungsvolles, couragiertes und ganzheitliches Lernen einsetzt.

Seitdem führen wir jedes Jahr jahrgangsübergreifend Projekte zum Thema Rassismus und Zivilcourage durch. Dabei beschäftigen wir uns gleichermaßen mit Diskriminierung aufgrund der Religion, der sozialen Herkunft, des Geschlechts, körperlicher Merkmale, der politischen Weltanschauung und der sexuellen Orientierung.

In Kooperation mit den Kulturagenten und den Künstler*innen Heidi Zengerle und Franz Becker haben unsere Schüler*innen außerdem z.B. im Wahlpflicht-Kurs „Jugend macht Politik“ politisches Lernen mit künstlerischen Aktionen verbunden und dafür Performance-Möglichkeiten wie Flash-Mobs, unsichtbares Theater und künstlerische Experimente entwickelt.

Gedenkstättenfahrt

Jedes Jahr im Januar findet unsere Gedenkstättenreise nach Auschwitz statt. Das Besondere an dieser Reise ist nicht nur der Ort, sondern auch die Form der Kooperationsfahrt: Unsere Schüler*innen des 10. Jahrgangs setzen sich gemeinsam mit Schüler*innen des 10. Jahrgangs der Heinz-Brand-Schule und Schüler*innen der 11. Klasse der Max-Bill-Schule mit der Geschichte des Holocausts auseinander. An zwei Vorbereitungstagen beschäftigt sich die Reisegemeinschaft intensiv mit dem Thema, besucht in Berlin bereits Ausstellungen und begibt sich dann zusammen auf die Fahrt nach Krakau und Auschwitz.

In Krakau lernen die Schüler*innen die Geschichte der Stadt sowie das Schicksal der zahlreichen polnischen Juden im 2. Weltkrieg kennen, und während des Besuchs der Gedenkstätte Auschwitz wird ihnen die Dimension des Holocausts eindrucksvoll bewusst. An einem gemeinsamen Nachbereitungstag besprechen die Jugendlichen ihre Eindrücke und präsentieren diese auch in Form kreativer Arbeitsaufträge, z.B. in Gedichten, Videos und Fotos. Eine unvergessliche Geschichts- und Gesellschaftsreise und eine gelungene Kooperation der drei engagierten Sekundarschulen.

Und ein Artikel aus der Schülerzeitung über die Gedenkstättenfahrt